8 Fragen rund um das Thema Schufa

von aktualisiert am: 05.03.2018

8 Fragen rund um das Thema Schufa
Die Schufa hilft Banken und Unternehmen, Risiken abzuschätzen. Sie ist nicht frei von Kritik, aber leider dennoch notwendig.

Sie begleitet jeden, der auch nur ein Girokonto eröffnen will. Sie ist Entscheider über Wohl und Wehe des Hausbaukredits. Doch wissen die wenigsten von uns genaueres über die Institution, die einst unter dem Namen Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung firmierte. Der folgende Artikel möchte das ändern und beantwortet dazu die wichtigsten Fragen rund um das Thema.

1. Wie entstand die Schufa?

Die Wurzeln dieses Systems gehen zurück ins Berlin der 1920er. Damals war die BEWAG, die Berliner Städtische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft der Hauptstromversorger der Großstadt. Neben Strom verkaufte das Unternehmen auch elektrische Haushaltsgeräte auf Raten, damals ein Novum. Die Geräte kaufen konnten nur BEWAG-Kunden. Denn: Die Zahlungen wurden ausschließlich über die Stromrechnung entrichtet.

Doch nicht jeder Kunde kam in den Genuss. Die BEWAG erlaubte Ratenzahlungen nur denjenigen, die eine gute Stromrechnungs-Zahlungsmoral besaßen. Aufgrund der Strom-Monopolstellung hatte die BEWAG so zum Ende der 20er einen verblüffend genauen Überblick über die Zahlungsfähigkeit der Hauptstädter.

Mit diesen Daten machten sich mehrere leitende Mitarbeiter selbstständig und gründeten eine Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung, die sich in der Folge in ganz Deutschland ausbreitete. 1952 wurden diese Tochterorganisationen zur Schufa e.V. zusammengeschlossen.

2. Was hat der Staat mit der Schufa zu tun?

Kurz gesagt: Gar nichts. Auch wenn man es angesichts des sehr genauen Wissens, das die Schufa hat, kaum glauben mag, aber sie war und ist eine rein private Organisation. Weder die Bundesrepublik, noch einzelne Bundesländer oder Behörden haben irgendetwas mit der Schufa zu tun.

Tatsächlich ist die Schufa seit dem Jahr 2000 eine Holding-AG, also eine Aktiengesellschaft, die Beteiligungen an anderen Unternehmen hält.

die Schufa ist eine AG
Vor allem der Einzelhandel und Mobilfunkanbieter sind auf Schufa-Daten angewiesen, um Risiken zu vermeiden und Preise niedrig(er) zu halten.

3. Wer gibt der Schufa eigentlich die Erlaubnis, so intime Daten zu erheben?

Weil die Schufa keinerlei staatlichen Auftrag hat, kann auch niemand anderes als wir selbst ihr diese Erlaubnis geben.

Dazu muss man das Arbeitsprinzip der Schufa erklären: Diese erhebt die Daten nicht selbst, sondern das machen Vertragspartner für sie. Beispielsweise Banken. Stellen Sie sich vor, sie kaufen beim Elektronikdiscounter einen Fernseher im Rahmen einer Nullprozent-Finanzierungs-Aktion. Dazu müssen Sie einen Kaufvertrag ausfüllen, worin auch ein Kästchen angekreuzt werden muss, mit dem Sie Ihr Einverständnis erklären, dass dieser Kredit (denn um nichts anderes handelt es sich) und seine Modalitäten an die Schufa übermittelt werden.

Ähnlich sieht es bei den meisten anderen Finanzgeschäften aus. Ob Girokonto, Sparbuch oder auch nur Kredit-Anfrage: Überall müssen wir unser Einverständnis erklären, zwar freiwillig, aber in den meisten Fällen ist es damit nicht weit her, weil ohne die Einwilligung kein Vertrag zustande käme.

Einwilligung zur Schufa Abfrage
Mit unserer Unterschrift geben wir Banken oder Unternehmen die Einwilligung zur Schufa-Abfrage, meist direkt an das Zustandekommen der Verträge gekoppelt.

4. Ist das alles rechtens?

Absolut. Schon die Natur der Einwilligungs-Freiwilligkeit stellt das ganze System auf einen rechtlich tragfähigen Betonboden. Verschärft wird dies dadurch, dass die Schufa bereits seit 1977 unter das damals brandneue Bundesdatenschutzgesetz fiel – einer der Hintergründe, warum das Gesetz überhaupt erlassen wurde, war, dass die Schufa begonnen hatte, ihre Kundendateien von Papier auf Magnetspeicher zu überspielen.

Unumstößlich wurde das Prinzip dann 1985 gemacht: Damals fällte der Bundesgerichtshof das sehr aufsehenerregende Schufa-Urteil. Von zentraler Bedeutung war darin, dass künftig keinerlei Daten mehr an die Schufa übermittelt werden durften, wenn der Kunde nicht explizit sein Einverständnis dazu gegeben hatte.

5. Welche Daten werden gespeichert?

Eine ganze Menge (weshalb das Schufa-Prinzip auch Datenschützern ein Gräuel ist). Die Schufa selbst präsentiert diese Daten. Demnach erhebt sie:

  • Name, Geburtsdatum und –ort
  • Aktuelle und frühere Anschrift (wodurch sie automatisch auch Hinweise auf das Umzugsverhalten bekommt)
  • Daten über Bankkonten, Kreditkarten, Leasing-, Handy- und sonstige Ratenverträge, Kredite und Bürgschaften sowie auch Konditionsanfragen
  • Zahlungsverzug, offene Forderungen, Privatinsolvenzen

Zwar betont die Schufa, dass sie keine Daten über Vermögen und Einkommen, den Beruf oder intimere Details wie Familienstand oder persönliche Einstellungen (Religion, Politik etc.) sammelt. Aber das muss sie auch gar nicht. Aus den gesammelten Daten lässt sich auch ohne besagte Details ein sehr genaues Bild über eine Person erstellen, das sogenannte Scoring.

Mit diesem Wert zwischen 1 und 100 kann die Schufa einem Vertragspartner das Risiko angeben, das bei der Kreditvergabe oder sonstigen Finanzprodukten für eine einzelne Person besteht. Aus all den Daten, die immer umfangreicher werden, je mehr wir freiwillig liefern, ergibt sich zusammen mit unserer Finanzlage unsere persönliche Bonität.

Bonität verbessern
Auch wenn Inkassounternehmen mit der Schufa zusammenarbeiten, bekommen diese grundsätzlich nur Adressdaten. Auch nur von natürlichen Personen, nicht Unternehmen.

6. Kann man die Bonität verbessern?

Ja, das kann man. Allerdings ist das ein dreistufiger Plan, in dem die Schufa nur eine Säule ist. Zunächst muss dazu bei der Schufa eine Selbstauskunft eingeholt werden. Alle Einträge darin müssen, je nach Art, nach einem gewissen Zeitraum gelöscht werden. Allerdings kann es sowohl vorkommen, dass die automatisierte Löschung unterbleibt, weil ein Fehler im System auftritt, wie dass man eine vorzeitige Löschung beantragen kann. In seltenen Fällen kann es sogar passieren, dass man deshalb einen schlechten Score hat, weil eine Namensverwechslung vorliegt (mit ein Grund, warum man einmal jährlich eine Selbstauskunft einfordern sollte).

Steigert man dann noch sein Einkommen und die Arbeitsplatzsicherheit, erhöht sich automatisch die Bonität.

7. Wer darf denn überhaupt die Daten abfragen?

Nun könnte man natürlich glauben, dass die Antwort darauf „jeder“ sei. Dem ist aber nicht so. Denn die Schufa gibt prinzipiell nur Daten an ihre Vertragspartner heraus. Ganz prinzipiell müssen alle diese Partner sich im Rahmen des Bundesdatenschutzgesetzes bewegen. Sie müssen also garantieren, dass der Datenschutz gewahrt bleibt, dürfen die Zahlen und Scores beispielsweise nicht für Werbung verwenden oder an Dritte weitergeben. Je nachdem, um welche Form von Partnerschaft es sich handelt, werden auch nur unterschiedliche Daten zur Verfügung gestellt. Im Einzelnen sind das:

  • A-Partner wie Banken, Kreditkartenanbieter und Leasinggeber. Diese erhalten sowohl positive wie negative Daten, weil hier das größte Risiko besteht.
  • B-Partner wie Privatunternehmen (Einzelhändler, Mobilfunkanbieter etc.). Diese erhalten nur die negativen Daten.
  • F-Partner, ausschließlich Inkasso-Unternehmen. Sie bekommen nur Adressdaten.

Wer nicht mit der Schufa zusammenarbeitet, obwohl er vielleicht zu den oben genannten Institutionen gehört, bekommt gar keine Auskunft. Ein großer Vermieter, Besitzer einer Wohnungsbaugesellschaft, könnte theoretisch als B-Partner firmieren, weil er ein Privatunternehmen ist. Dennoch hat er keine Chance, ohne eingetragene (und ziemlich teure) Partnerschaft Daten zu bekommen. Hauptgrund, warum so viele Vermieter deshalb nur gegen Schufa-Eigenauskunft mit Vermietern kooperieren.

Ein interessantes Detail am Rande: Staatliche Organe haben übrigens ebenfalls keine Möglichkeit, Schufa-Daten abzufragen. Allerdings müssen sie das auch nicht, denn seit 2005 gibt es zur Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung die Option, staatlicherseits direkt Konten zu durchleuchten, wovon auch sehr reger Gebrauch gemacht wird. Im Gegensatz zur Schufa, ohne dass man dies mitbekommen würde, weil der Staat auch ohne Wissen der Bank(-Kunden) Abfragen durchführen kann.

8. Gibt es Kritik?

Eine ganze Menge. Abgesehen von der Empörung vonseiten der Datenschützer gab und gibt es immer wieder Fälle, in denen offensichtlich wurde, dass Schufa-Daten veraltet, unvollständig oder schlicht falsch waren. Aktuelle Kritik an dem ganzen Prinzip kommt jedoch von ganz anderer Seite: So hat Facebook sich ein ähnliches System patentieren lassen, mit dessen Hilfe der Social-Media-Gigant durch das Online-Verhalten seiner Nutzer Rückschlüsse auf deren Kreditwürdigkeit ziehen will.

Fazit: Die Schufa mag in der Kritik stehen. Allerdings ist das Prinzip inhärent notwendig, weil es sowohl Banken wie Privatunternehmen hilft, sich zu schützen. Gäbe es die Institution nicht, wäre das Risiko selbst für das einfachste Girokonto erheblich größer und würde finanziell auf alle umgelegt werden, anstatt nur auf diejenigen, die tatsächlich für das Risiko verantwortlich sind.

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