Tipps rund ums Girokonto: Modelle, Kosten und juristische Stolperfallen

von aktualisiert am: 03.11.2016

Bargeldlos bezahlen
Bargeldloses Bezahlen ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, genauso wie die dazu notwendigen Girokonten – dennoch gibt es einige Aspekte, die beachtet werden sollten.

Wir nutzen es vermutlich jeden Tag, aber Gedanken machen wir uns deswegen im Normalfall wohl selten: Ohne Girokonto läuft im heutigen Zahlungsverkehr eigentlich gar nichts mehr. Aber gerade weil es so eine alltägliche Selbstverständlichkeit ist, lohnt eine genauere Betrachtung von Funktion, Leistungsumfang und Kosten umso mehr.

Eine klassische Form der Sichteinlage

Früher, als es sich wegen der höheren Zinserträge noch lohnte, wurde das Geld auf dem Sparbuch in Sicherheit gebracht. Besonders für die Jüngeren versprach dieses Vorgehen einen deutlichen Gewinn – auf den allerdings erst in der Zukunft zugegriffen werden konnte. Das machte letztlich auch insofern Sinn als in jungen Jahren kaum eine Veranlassung bestand, ständig an das erhaltene Geld herankommen zu müssen. Den Lebensunterhalt bestritten die Eltern, Zahlungsverpflichtungen bestanden einstweilen keine.

Spätestens mit dem Berufseinstieg und den ersten regelmäßigen Lohnzahlungen ist dann aber doch ein Girokonto vonnöten, die für weite Teile des normalen (bargeldlosen) Zahlungsverkehrs genutzt werden. Eine solche Geldeinlage „auf Sicht“ – wie im Übrigen auch das Tagesgeldkonto – ermöglicht dem Kontoinhaber, jederzeit auf sein Geld zugreifen zu können. Darin liegt der große Unterschied zu den Termineinlagen wie Spar- oder Festgeldkonten, die zum Beispiel immer mit bestimmten Kündigungsfristen verbunden sind. Wenn der Zahlungsverkehr über ein solches Bankguthaben abgewickelt werden sollte, muss im Vorfeld stets die Bank in Kenntnis gesetzt werden.

Die geschäftlichen Möglichkeiten eines Girokontos sind im Grunde genommen überall gleich: Der Eingang des Gehalts, Überweisungen, Lastschriften oder Bargeldabhebungen sind hiermit möglich. Diese Art der Freiheit im Umgang mit dem eigenen Geld hat jedoch ihren Preis und Zinsen konnten mit den Einlagen selbst vor den Zeiten des Niedrigzinses kaum erwirtschaftet werden.

Sicherheit der Bankeinlagen

Für jeden das richtige Produkt

Inzwischen gibt es für unterschiedliche Lebensabschnitte und Lebenssituationen speziell darauf zugeschnittene Girokontomodelle. Das bedeutet jeweils andere Einschränkungen oder Möglichkeiten für die Nutzung des eingelegten Geldes.

  • Girokonto für Kinder
    Da „rechtsfähig“ und „geschäftsfähig“ zwei durchaus unterschiedliche Sachverhalte sind, wird ein Girokonto für Kinder in erster Linie als Guthabenkonto genutzt, das die Zustimmung der Eltern benötigt. Der Vorteil liegt in der höheren Verzinsung, die jedoch wiederum an eine maximale Höhe der Einlage gebunden ist. Eine Bankkarte ist auch für Kinder möglich, allerdings legen die Eltern den Höchstbetrag fest, der damit abgehoben werden kann.
  • Girokonto für Jugendliche
    Im Vergleich zum Kinder-Girokonto gibt es kaum Unterschiede: Das Konto ist nach wie vor gebührenfrei, es braucht keinen Mindesteingang und den Kontoinhabern steht auch kein Dispo zur Verfügung. Allerdings kommen Online-Banking und die EC-Karte hinzu.
  • Girokonto für Schüler
    Da Kinder und Jugendliche beide natürlich auch Schüler sein können, lässt sich leicht ausrechnen, dass ein solches Konto in seinem Leistungsumfang kaum von den zuvor genannten Produkten abweichen kann. Es ist damit inhaltlich entweder ein Girokonto für Kinder oder für Jugendliche, möglicherweise jedoch mit anderen Konditionen bezüglich der Gültigkeit. Hier ist ein Vergleich der jeweiligen Geschäftsbedingungen durchaus angeraten.
  • Girokonto für Studenten
    Wie bei den vorherigen Modellen geht es auch hier – zumindest aus Sicht der Banken – vor allem um eine frühzeitige Kundenbindung. Dieser Ansatz macht bei Studenten schon deutlich mehr Sinn, weil das Führen eines eigenen Haushalts eben auch eine sehr viel intensivere Auseinandersetzung mit Finanzangelegenheiten bedeutet. Zu den Vorzügen, mit denen Studenten und auch Auszubildende geworben werden, zählt häufig eine kostenfreie Nutzung des Kontos – die allerdings in den meisten Fällen nur bis zu einem bestimmten Alter gilt.
  • Geschäftsgirokonto
    Schon wegen der zwingend erforderlichen Trennung von privatem und geschäftlichem Zahlungsverkehr ist ein Geschäftsgirokonto sinnvoll. Tatsächlich gehört die Eröffnung eines Girokontos zur Firmengründung dazu, denn Unternehmen mit Stammkapital müssen dies schließlich irgendwo einlegen. Darüber hinaus gilt es im Geschäftsleben noch weitere Faktoren abzuwägen. Filialbanken haben zum Beispiel einen großen Vorteil, wenn regelmäßige Bargeldtransaktionen abgewickelt werden müssen. Nachteilig ist hingegen, dass für ein solches Geschäftskonto grundsätzlich Gebühren anfallen – aber selbst bei vermeintlich kostenlosen Konten können bestimmte Leistungen unter Umständen Kosten verursachen.
  • Prepaid-Girokonto
    Wer bereits einen negativen SCHUFA-Eintrag hat, kann in der Regel kein reguläres Girokonto mehr eröffnen. Es gibt allerdings mit dem Prepaid-Girokonto eine Möglichkeit, die nur über das tatsächlich eingezahlte Geld genutzt werden kann. Ohne Dispokredit ist es zudem ausgeschlossen, noch tiefer in die Schulden abzusinken.

Mögliche Kostenpunkte

Unterschiedliche Preisgestaltung

Wie die oben angeführte Liste zeigt, sind kostenlose Girokonten nur einem relativ kleinen Kundenkreis vorbehalten, für viele andere Bankkunden gehören anfallende Gebühren oft genug jedoch zum Alltag. Bankentgelte sind dabei grundsätzlich zulässig und die Gestaltung der Höhe liegt dabei ganz in den Händen der Geldinstitute. Das heißt, die Banken entscheiden selbst darüber, welche Preise zu welchen Bedingungen für ein bestimmtes Girokontoprodukt erhoben werden.
Daraus ergeben sich durchaus unterschiedliche Preisgestaltungen, nicht nur zwischen den Anbietern, sondern auch regional. Gerade die großen Banken wie Sparkasse und Volksbank sind nämlich in unabhängig voneinander agierende Unternehmen untergliedert, mit voneinander abweichenden Geschäftsmodellen.

Kontoführungsgebühren

Die Unterschiede bei den Kontoführungsgebühren können deshalb zum Teil deutlich auseinandergehen. Zudem ist es aus Kundensicht nicht ganz unproblematisch, dass durch dieses Geschäftsgebaren die Preise für die einzelnen Leistungen ebenfalls leicht unübersichtlich werden können. Werden bei der einen Bank Pauschalpreise für die Kontoführung erhoben, entfallen diese bei einer anderen vielleicht oder sind zumindest deutlich niedriger – dafür werden alle anderen Leistungen möglicherweise entsprechend höher berechnet.

Hintergrund: Die Möglichkeiten der Banken, ihren Verwaltungsaufwand über das Erheben von Gebühren auszugleichen, sind von deutschen Gerichten zu verschiedenen Gelegenheiten immer wieder eingeschränkt worden. Für Dienstleistungen, die ausschließlich dem Eigeninteresse der Banken dienen oder die nur die gesetzlichen Pflichten erfüllen, müssen daher zum Beispiel keine Gebühren entrichtet werden. Die Kontoführungsgebühren stellen aus Sicht der Banken einen der wenigen rechtlich unverfänglichen Wege dar, um den Aufwand für ein Girokonto abzudecken.

Gebühren für Barauszahlung oder Überweisungen

Es ist trotz allem nicht unüblich, auch andere Leistungen mit Kosten zu belegen. Das gilt beispielsweise für Überweisungen in Papierform, die gerade bei eigentlich kostengünstigeren Angeboten zu bezahlen sind. Argumentiert wird in diesem Fall mit der Möglichkeit, dieselben Überweisungen auch online oder am SB-Terminal vorzunehmen – und zwar kostenlos. Hier wird also hauptsächlich der Mehraufwand in Rechnung gestellt.
Darüber hinaus sind tatsächlich auch Gebühren für Barauszahlungen nicht ausgeschlossen, wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen anführt: Das ist zwar an bestimmte Kriterien gebunden, kann aber je nach Bank und Kontomodell durchaus vorkommen.

Bargeldauszahlungen
Je nach Kontomodell und Bank können für Bargeldauszahlungen am Geldautomaten ebenfalls Gebühren anfallen.

Stolperfallen der gemeinsamen Kontoführung

Unter Eheleuten oder anderen festen Partnerschaften ist es nicht unüblich, ein gemeinsames Girokonto zu führen. Das wird meist genutzt, um die Fixkosten der Lebenshaltung bequem begleichen zu können. Zu diesem Zweck bietet sich ein Gemeinschaftskonto nach dem Oder-Prinzip an, das beiden Kontoinhabern eine Verfügungsbefugnis zugesteht, die auch ohne die Zustimmung des jeweils anderen gültig ist. Der Vorteil liegt in der Möglichkeit, Transaktionen ohne die explizite Zustimmung des Partners oder der Partnerin durchführen zu können.

Im Normalfall ist dieses Vorgehen ebenso praktisch wie legitim, allerdings kann der gleichberechtigte Zugriff auf ein solches gemeinsames Konto zu juristischem Ärger führen – nämlich dann, wenn größere Geldbeträge, beispielsweise aus Erbschaften oder Spekulationsgewinnen, von nur einem Kontoinhaber eingezahlt werden. Wird hierbei der gesetzliche Freibetrag von 500.000 Euro innerhalb von zehn Jahren überschritten, kann das vom Finanzamt als freigebige Zuwendung – also als Schenkung – betrachtet werden. Dementsprechend würden diese Beträge mit der Schenkungssteuer belegt.

Die Entscheidung hierüber ist immer im Einzelfall zu klären, denn laut Begründung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist es grundsätzlich möglich, dass es sich bei einer Einzahlung auf ein gemeinsames Konto um eine schenkungssteuerpflichtige Zuwendung handeln kann. Um den „Tatbestand“ ermitteln zu können, wurden vom BFH gleich einige Leitlinien und Indizien zur Beurteilung ähnlicher Fälle aufgestellt. Um solcherlei Ärger schon im Vorfeld auszuschließen, ist es deshalb unter Umständen sinnvoll, jeweils eigene Konten mit wechselseitigen Vollmachten zu führen.

Abbildungen

Abbildung 1: fotolia.com © Robert Kneschke
Abbildung 2: fotolia.com © corbis_infinite
Abbildung 3: fotolia.com © Armin Staudt

   

Top