Die klassische und nachhaltige Geldanlage

von aktualisiert am: 15.05.2014

In der Wissenschaft wird zwischen der klassischen und nachhaltigen Geldanlage unterschieden. Das Modell der klassischen Geldanlage setzt die Variablen Rendite, Liquidität und Sicherheit in eine gegenseitige Wechselbeziehung. Das sogenannte magische Dreieck wird bei der nachhaltigen Geldanlage zum magischen Viereck und um den Punkt „Nachhaltigkeit“ erweitert.

Das magische Dreieck

Die optimale klassische Geldanlage würde dem Anleger ein Höchstmaß an Sicherheit, Rendite und Liquidität bieten. Seriöse Geldanlagen geben das nicht her, weshalb immer ein Kompromiss aus den drei Variablen gefunden werden muss.

  • Sicherheit: Eine sicherere Geldanlage impliziert eine Rendite unterhalb des Marktdurchschnitts. Sichere Anlageprodukte dienen dem Kapitalerhalt. Die Sicherheit des Produktes hängt von verschiedenen Faktoren ab. Am Aktienmarkt besteht das Kursrisiko. Derivate und Anleihen unterliegen dem Emittentenrisiko. Kapitalanlagen aus dem Ausland werden von einem politischen Risiko beeinflusst. Um das Verlustrisiko zu minimieren wird das Anlagevermögen auf verschiedene Branchen, Währungen… diversifiziert. Typische Produkte mit einer hohen Sicherheit sind Bundesanleihen.
  • Liquidität/Verfügbarkeit: Eine Aktie aus dem Deutschen Aktienindex kann binnen weniger Sekunden aus dem Depot während der Handelszeiten veräußert werden. Der Aktienmarkt verfügt über eine hohe Liquidität. Ein liquider Markt sorgt für geringe Kosten zwischen dem An- und dem Verkauf eines Wertpapiers. Der Spread, die Differenz aus dem ASK- und BID-Kurs wird kleiner. Eine hohe Liquidität ist folglich ein Garant für eine schnelle Verfügbarkeit der Investitionssumme auf dem Girokonto. Ein gut geführtes Depot besitzt Geldreserven und ist niemals zu 100 Prozent in Anlageprodukte investiert. Bevor ein Verlust oder Gewinn nicht realisiert wurde, wird er als Buchverlust, beziehungsweise Buchgewinn geführt.
  • Rendite/Rentabilität: Die Rendite ist eine Kennzahl für die Rentabilität und das Risiko einer Anlage. Beide Kriterien hängen unmittelbar miteinander zusammen. Je höher die Rendite der Geldanlage ist, umso höher ist das Verlustrisiko. Verschiedene Produkte können über die Rendite verglichen werden. Es wird zwischen der Rendite vor und nach Steuern unterschieden. Für den Verbraucher ist die Rendite nach Steuern von Bedeutung. Auf Kapitalerträge muss die Abgeltungssteuer bezahlt werden. Die Rendite wird von dem Kurs und den Dividenden- und Zinszahlungen beeinflusst.

Aus den Wechselbeziehungen der drei Komponenten des magischen Dreiecks ergibt sich der Anlegertyp. Zwischen den einzelnen Variablen bestehen Zielkonflikte. Ein hohes Maß an Sicherheit führt zu einer niedrigeren Rendite. Ähnlich verhält es sich mit der Liquidität zur Rendite. Wenn ein Investment binnen kürzester Zeit zu fairen Preisen am Markt verkauft werden kann, fällt die Rendite gering aus. Über die Anlageziele sollte bewusst nachgedacht werden. Seriöse Vermögensberater berücksichtigen das magische Dreieck in der Vermögensplanung. Gute Praxistipps zur Geldanlage werden vom Versicherer Ergo auf deren Website gegeben.

Geldanlage magisches Dreieck aus Sicherheit Liquidität und Rendite
Abbildung 1: Die Rendite, Sicherheit und Liquidität stehen in Wechselwirkung zueinander. Bildquelle: Eigene Darstellung

Das magische Viereck

Das magische Dreieck kann um eine Dimension erweitert werden: Nachhaltigkeit. Die Integration von sozialen, ökologischen und ethischen Zielvorstellungen ist somit gewährleistet. Konkrete Zielvorstellungen können zum Beispiel Governance- oder Umweltkriterien sein. In Expertenkreisen ist die Rede von sogenannten ESG-Faktoren. Hinter der Abkürzung verbergen sich die Environmental-, Social-, Governance-Faktoren. Banken und Versicherer können die Prinzipien für verantwortliches Investment der Vereinten Nationen unterzeichnen, kurz UN PRI. Unternehmen die diese Initiative unterzeichnen, verpflichten sich die ESG-Prinzipien anzuwenden. Mitte Juli 2011 unterzeichneten 920 Unternehmen die PRI Intitiative.

  • Environment: Düngemittelnutzung, Klimawandel, Naturschutzgebiete, Ressourcenknappheit, Wasser und Artenvielfalt
  • Social: Arbeitslosigkeit, Mitarbeiter, Sicherheit und Gesundheit, Demografischer Wandel, Kindersterblichkeit und Ernährungssicherheit
  • Governance: Risiko- und Reputationsmanagement, Aufsichtsstrukturen, Atomwaffenarsenalt, Bürgerrechte, Compliance und Korruption

Geldanlage magisches Viereck aus Sicherheit, Liquidität, Nachhaltigkeit und Rendite
Abbildung 2: Das magische Viereck wird um die Dimension „Nachhaltigkeit“ erweitert. Bildquelle: Eigene Darstellung

Die drei oben genannten Kriterien können in ein dreidimensionales Koordinatensystem übertragen werden. An der Y-Achse wird „Environment“, X-Achse „Social“ und Z-Achse „Governance“ abgetragen. Bevorzugt werden Anlagen, die alle drei Kriterien erfüllen. Anders als beim magischen Viereck können die ESG-Prinzipien bei einem Anlageprodukt komplett erfüllt werden.
Trotz der Erweiterung des magischen Dreiecks zum magischen Viereck bleiben die Konflikte innerhalb der einzelnen Felder bestehen. Verfügbarkeit, Rendite und Sicherheit spielen eine ebenso große Rolle wie bei der klassischen Geldanlage. Erfüllte ein Anlageprodukt die nachhaltigen Kriterien nicht oder nur bedingt, so kann es aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen werden.

Die Darmstädter Definition einer nachhaltigen Geldanlage

Das Konzept der nachhaltigen Geldanlage (Englisch: Social Responsibility Investments) setzt sich aus drei Säulen zusammen: Der ökonomischen, ökologischen und sozialen/kulturellen Säule. Erarbeitet wurden die Säulen von der Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating aus Darmstadt. Einfluss nehmen konnten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Neben Unternehmen haben Wissenschaftler und Investoren an dem Konzept mitgewirkt.

  1. 1. Ökonomische Aspekte
  2. Erwirtschaftete Gewinne resultieren nicht aus kurzfristigen Bestrebungen der Gewinnmaximierung, sondern aus langfristigen Produktions- und Investitionsstrategien. Die ökonomische Dimension beinhaltet zudem keine elementare Gefährdung der Menschenbedürfnisse. Ein solches Bedürfnis ist zum Beispiel Wasser oder Sicherheit. Die erzielten Gewinne dürfen nicht auf Bestechung beruhen. Die Unterzeichnung eines Korruptionsabkommen und die Korruptionskontrolle sind entscheidend für eine nachhaltige Geldanlage.

  3. 2. Ökologische Aspekte
  4. Der bedachte Umgang mit den verfügbaren Ressourcen stellt die elementare Aufforderung der ökologischen Dimension an ein Unternehmen/Finanzprodukt dar. Die Erzielung von Gewinn muss im Einklang mit der Umwelt stehen. Von einem nachhaltigen Unternehmen werden Investitionen in die Umwelt vorausgesetzt. Die CO2-Emission wird auf ein Mindestmaß beschränkt und es wird sich mit der Thematik der erneuerbaren Energien auseinander gesetzt. Um den CO2-Verbrauch von Fonds vergleichen zu können, haben sich Fondsgesellschaften wie die DWS eine eigene elektronische Datenbank aufgebaut. Der Fondsmanager erfährt so auf einen Blick, ob das Anlagevehikel in Unternehmen mit einen hohen oder niedrigen CO2-Ausstoss investiert ist. Durch ein Investment in eine nachhaltige Geldanlage dürfen lokale Ökosysteme nicht negativ beeinträchtigt werden. Wenn ein Aktienfonds in einen Möbelhersteller investiert, der seine Möbel mit Holz aus dem Regenwald und nicht aus dem nachhaltigen Anbau herstellt, gilt der Fonds nicht als nachhaltiges Anlageprodukt. Refinanziert ein Unternehmen einen Teil seiner Gewinne in den Ausbau der Solarbranche, ist die ökologische Dimension der nachhaltigen Geldanlage erfüllt.

  5. 3. Soziale und kuturelle Aspekte
  6. Zu den sozialen und kulturellen Aspekten gehört die Entwicklung von Humankapital. Dazu zählt ein Verantwortungsvoller Umgang mit den Mitarbeitern. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein breitgefächertes Angebot an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und Förderung von Eigeninitiative gehören ebenfalls zu der sozialen und kulturellen Dimension. Über das Anlageprodukt darf nicht in Ländern mit einer hohen Kindersterblichkeit investiert werden. Zudem müssen die Menschenrechte eingehalten werden. Anleihen von Staaten mit einer hohen Diskriminierungsrate von Minderheiten erfüllen die hier besprochene Dimension nicht. Hilfestellungen und Hinweise zur Nachhaltigkeit von Staaten bieten Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen.

    Der eigentliche Gedanke eines Ratings besteht in der Bewertung der Bonität eines Schuldners. Die drei großen Ratingagenturen sind Fitch, Moodys und S&P. Staaten werden von den großen Agenturen kostenlos auf ihre Bonität überprüft. Als Ergebnis wird eine Ratingnote vergeben. Je besser die Note ausfällt, umso günstiger kann sich ein Staat über die Vergabe von Staatsanleihen refinanzieren. Unternehmen müssen für die Bewertung des Ausfallrisikos bezahlen.

    Im Jahre 2006 gab es weltweit 59 Ratingagenturen, die für Finanzprodukte ein Nachhaltigkeitsrating erstellt haben. Diese Zahl geht aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervor. Einheitliche Standards bei der Überprüfung eines Unternehmens nach versteckten Unternehmenseigenschaften gibt es nicht. Dadurch wird der Ratingprozess intransparent. Harte Fakten können aus dem jährlichen Geschäftsbericht des Unternehmens entnommen werden, zum Beispiel die Höhe der Löhne. Die Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheit kann hingegen nur schwer ermittelt werden. Ein aussagekräftiges und qualitativ hochwertiges Nachhaltigkeitsrating ist mit hohen Kosten verbunden.

Einige Beispiele für nachhaltige Anlageprodukte:

  • Spezialfonds ESG Euro Investment Grade Corporate Credit; Rating AAA-; Verliehen durch: Telos
  • DWS Investment Responsibility

Eine nachhaltige Geldanlage fokussiert sich nicht alleine auf die Rendite-Maximierung, sondern nimmt aktiv Einfluss auf wirtschaftliche Strukturen und Prozesse.

Die Darmstädter Definition von Nachhaltigkeit unterscheidet zwischen nachhaltigen Anlagen im engeren und im weiteren Sinne. Ein nachhaltiges Produkt im weiteren Sinne erfüllt nicht alle Dimensionen. Das können beispielsweise Themeninvestments sein. Bei einem Themeninvestment wird das Geld des Kunden in ausgesuchte Nachhaltigkeits-Themen investiert. Wenn ein Anleger die Wasserknappheit auf dem Globus bekämpfen möchte, kann in einen Wasserfonds investiert werden. Der Wasserfonds unterstützt mit dem verwalteten Kapital Unternehmen, die neue Wassertechnik entwickeln.

Erfüllt ein Produkt alle oben genannten Kriterien wird es als nachhaltiges Investment im engeren Sinne verstanden.

Anlagestrategien für nachhaltige Investments

Es gibt aktive und passive Anlagestrategien. Fokus der Betrachtung sollen die passiven Strategien sein. Auf die aktiven Ansätze (Stimmrechtausübung, Dialog mit den Unternehmen) werden wir im fortlaufenden Text kurz eingehen.

Anlagestrategie
Abbildung 3: Die beliebteste Anlagestrategie ist die Auswahl von Investments nach Negativ-Kriterien; Bildquelle: Eigene Darstellung

Die Auswahl findet nach speziellen Screening-Methoden statt. Dabei wird eine Anlage entweder nach positiven oder negativen Kriterien gefiltert. Bei der Negativselektion werden konkrete Geschäftspraktiken ausgeschlossen. Das Anlageuniversum wird durch die Selektion verkleinert. Die Selektion kann auf Basis von Normen oder moralischen Präferenzen vorgenommen werden. Der Normenkatalog beinhaltet den Ausschluss von Kinderarbeit oder die Vermeidung von Verschmutzung für die Umwelt. Diese Anlagestrategie wird auch als normbasiertes Screening bezeichnet. Durch die moralische Selektion können zum Beispiel Hersteller von Genmanipulierten Lebensmitteln, Tabak oder Alkohol aus dem Portfolio ausgeschlossen werden.

Die Positivselektion rückt gewünschte Standards in den Mittelpunkt. Ein typisches Beispiel sind die oben beschriebenen Themen-Investments.

Weitere Anlagestrategien werden durch das Forum Nachhaltige Geldanlagen definiert: Engagement, Impact Investment, Integration und Stimmrechtausübung.

Bei der Engagement-Strategie tritt der Fondsmanager in Kontakt mit den Unternehmen und spricht mit ihnen über die ESG-Kriterien. Beim Impact Investment versucht der Anleger Einfluss auf die sozialen und ökologischen Belange zu nehmen. Die Maximierung der Erträge steht nicht ausschließlich im Vordergrund. Bei der Vorgehensweise der „Integration“ werden ESG-Kriterien in die Finanzanalyse miteinbezogen. Die Anlagestrategie der Stimmenrechtsausübung verlangt eine Ausübung der Aktionärsrechte bei den Hauptversammlungen. Fonds beteiligen sich im großen Maße an Aktienunternehmen und können mit ihren Stimmenrechten die Unternehmenspolitik beeinflussen.

Die beiden am häufigsten verwendeten Anlagestrategien sind die Negativselektion und Best-in-Class. Leicht Rückgängig sind die Investments bei den Themenfonds.

Entwicklung vom Geschäft mit nachhaltigen Geldanlagen

Seit dem Jahr 2005 nimmt das Volumen für nachhaltige Investments jedes Jahr um 26,7 Prozent zu. Im Jahr 2013 wurde ein Gesamtvolumen von 120,3 Milliarden Euro in engere und weitere nachhaltige Anlageprodukte investiert.

In Deutschland ist der Anteil von Aktien in nachhaltigen Portfolios von 23 Prozent auf 33 Prozent gestiegen. Der Anteil von Anleihen ging von 57 Prozent im Jahr 2011 auf 51 Prozent im Jahr 2012 zurück. Bei der Verteilung der Anlegertypen stellen mit 77 Prozent die institutionellen Investoren die größte Fraktion dar. Lediglich 23 Prozent der Anleger sind private Investoren (Stand: 2012). In der Schweiz halten sich beide Typen die Waage.

Verlässliche Angaben über die tatsächliche Marktgröße lassen sich aber nur bedingt machen, da sich die Definitionen von Nachhaltigkeit und die entsprechenden Modelle teilweise stark unterscheiden. Ende 2008 managten 274 nachhaltige Fonds ein Gesamtvolumen von 21 Milliarden Euro.

Literaturverzeichnis
Vermögensverwaltung für Stiftungen mit nachhaltigen Kapitalanlagen – Chancen und Herausforderungen für Stiftungen im 21.Jahrhundert; Melinda Köszegi; Erschienen im Maecenata Verlag, 2009

Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland; Ludmila Krasowitzki; Erschienen im Diplomica Verlag, 2012

Nachhaltige Geldanlage am Aktienmarkt: Eine Studie zur Portfoliodiversifikation; Simon Laier; Erschienen im Diplomica Verlag, 2013

   

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