Eigenkapitalquote der Banken – Auswirkungen auf Sparer

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EK Quote BankenPeriodisch führt die EZB Stresstests für Banken durch, bei dem eine schwere Wirtschaftskrise mit Börsencrash und Immobilienkrise simuliert wird. 2014 waren 25 der 130 Banken durchgefallen. Es handelte es sich vorwiegend um Geldinstitute aus Italien, Zypern und Griechenland. 13 Banken hatten die Vorgaben nachträglich erfüllt. In Deutschland bestand nur die Münchener Hypothekenbank den Stresstest nicht. Einige deutsche Banken hatten mit einer Kapitalerhöhung und Ausgabe neuer Aktien dem Stresstest vorgebeugt und zuvor ihre Kapitaldecke erhöht. Im simulierten Krisenfall war eine Quote von 5,5 % gefordert. Getestet wurden nur große europäische Geldhäuser ab einer Bilanzsumme von 30 Mrd. Euro.

Ein Entscheidungskriterium für das Bestehen eines Stresstests ist die reale harte Kernkapitalquote. Bis 2016 betrug diese 8,5 %. 2019 muss die Quote 10,5 % betragen. Zum EK zählen ausgegebene Aktien, Einlagen von Gesellschaftern und das vorhandene Geld z.B. aus Gewinnen.

Worauf bezieht sich die EK Quote?

Das Eigenkapital bzw. die Eigenkapitalquote ist eine wichtige Kennzahl für jedes Unternehmen. Zum einen können Risiken konjunktureller Art aber auch risikobehaftete Geschäfte über das Eigenkapital abgesichert werden. Das gilt insbesondere auch für Banken, da diese gesamtwirtschaftlich eine große Bedeutung einnehmen und teils, wie im Fall Lehmann Brothers, „systemrelevant“ sind. Der Finanzmarkt kann wie ein Kartenhaus zusammenfallen, sollte eine große Bank Pleite gehen. Maßgebend für geforderte EK-Quote ist das Volumen an risikobehafteten Geschäften. Das sind zum großen Teil Kredite mit einem immer vorhandenen Ausfallrisiko. Natürlich verdienen die Banken mit dem Kreditgeschäft sehr viel Geld und wollen in dieser Sparte den Umsatz erhöhen. Da die restlichen 89,5 % (2019) der „Risikosumme“ auch durch Spareinlagen der Kunden gedeckt sein können, kommt dem Geschäft mit Sparkonten hier eine gewisse Bedeutung zu.

Eigenkapital der Banken schmilz durch die Negativzinsen

Durch die geringe Marge beim für Banken essenziellen Zinsgeschäft, das durch die Differenz aus Einlagenzinssatz und Kreditzinssatz bestimmt wird, schmilz das EK der Banken immer weiter ab. Das gesamte Kreditportfolio einer Bank wird geratet. Konkret gibt es Algorithmen, die jeden einzelnen von der Bank ausgegebenen Kredit in eine Risikoklasse einstufen. In der niedrigsten Risikoklasse mit nur 1 % Ausfallwahrscheinlichkeit braucht die Bank nur einen verschwindend kleinen Anteil der Kreditsumme in Form von Eigenkapital vorhalten. Ein gefährliches Spiel. Steigt in einer Rezession die Anzahl notleidender Kredite bzw. noch schlimmer, fällt ein Teil der ca. 15 % Zombiefirmen (finanzieren ihre Kreditlinie durch immer neues billiges Geld) um, kann es zu ernsten Problemen für die Bank führen. Die Folgen für Deutschland, die EU und den Euro sind gravierend.

Vorteile einer hohen Eigenkapitalquote

  • Absicherung von Risiken und Kreditgeschäften
  • Höhere Akzeptanz durch Geschäftspartner
  • Im Fall einer relevanten Bank – erhöhte wirtschaftliche Stabilität.

EU Sondergipfel machte den Banken Druck.

Sparzinsen und Eigenkapital in der EU
In Folge der Griechenlandkrise wurde auf einem EU-Sondergipfel beschlossen, die Eigenkapitalquote der EU Banken weiter zu erhöhen.

Beschlüsse des EU Gipfels:

  • Banken müssen EK Quote weiter erhöhen
  • Kapitalerhöhung von zusätzlichen 5,2 Milliarden Euro erforderlich
  • restliches Kreditausfallrisiko kann durch Sparguthaben gedeckt sein

Eigenkapital und Anlegerschutz

Auch hier gibt es eine interessante Verbindung, welche für Sparer interessant ist. Die Banken mit Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Banken sichern die Ersparnisse der Kunden mit 30% ihres Eigenkapitals ab. Steigt die EK-Quote, werden also auch die Anleger davon profitieren. Dies ist jedoch nur für sehr hohe Sparguthaben z.B. im Festgeldbereich interessant, da 30 % oft schon Millionen Euro Beträgen entsprechen. Hier finden Sie die aktuellen Sicherungsgrenzen deutscher und EU Banken.

Was ist dem Sparer zu raten? Wie nach der letzten Leitzinssenkung zu erwarten, stagnieren die Sparzinsen bzw. sinken weiter. Sowohl im Bereich Tagesgeld Sparen als auch bei den Festgeld Sparkonten sollten Sie genau vergleichen.

Wollen Sie auf Nummer sichern gehen, legen Sie ihr Geld bei einer Bank an, die einen EZB – Stresstest bestanden hat. Geprüft werden allerdings nur die großen Banken ab 30 Milliarden Euro Bilanzsumme. Die Kreditzinsen sind nach wie vor niedrig, sodass sich auch das Volumen der potenziellen Kreditausfälle erhöhen sollte, welches wiederum abgesichert werden muss. Die Banken benötigen die Sparguthaben der deutschen Kunden als eine Komponente zur Absicherung von vergebenen Darlehen und zu deren Finanzierung, können sich 2020 das Einlagengeschäft de facto nicht mehr leisten. Das Kapital zur Finanzierung der vergebenen Kredite wird nur marginal durch die Spareinlagen der Kunden gegenfinanziert.

Ausnahmen gibt es jedoch. Autobanken, wie Renault Direkt oder Zahlungsdienstleister wie Klarna haben einen enorm hohen Kreditbedarf. In diesen Fällen hat das Einlagengeschäft eine hohe Bedeutung. Sparer erhalten hier noch annehmbare Zinsen, wenn auch oft gesteuert durch den Kapitalbedarf nur für kurze Zeit.

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